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Festbericht
über das 322. Schützen- und Volksfest in Buschbell vom 30. Juli bis 1. August 2005

Gute Vorzeichen waren es wirklich nicht, als am Mittwoch vor dem 322. Schützen- und Volksfest der Aufbau auf dem Festplatz begann. Beinahe täglich behinderten Wolkenbrüche die Arbeit, ja, sie schufen sogar noch einen zweiten Schauplatz – der Keller unseres neuen Vereinsheims stand dreimal unter Wasser und musste leer gepumpt und gereinigt werden. Und bis ganz kurz vor Eröffnung der Festlichkeiten keine Besserung in Sicht. So bestimmten dann bange Blicke nach oben das ganze Fest, wenn sie auch am Montagabend freilich ganz anderer Natur waren.

Die Entscheidung, den Eröffnungsabend auf dem Schulhof und nicht in der Aula durchzuführen, fiel erst, als er eigentlich schon in vollem Gange sein sollte. Schnell wurden Instrumente, Lautsprecher und Verstärker der „Himmelstürmer“ nach draußen getragen. Petrus hat unseren Mut belohnt und uns einen schönen Sommerabend beschert. Auf dem Hochstand begannen bald darauf schon die ersten Schießwettbewerbe. 16 Aspiranten zielten auf den Bürgerkönigsvogel, doch sie schafften es nicht, ihn vor dem Eintreffen der Schützen auf dem Festplatz von der Stange zu holen. Die waren gegen 21 Uhr aufgebrochen, um die Würdenträger mit dem Königspaar Hans-Hermann und Monika Bock an der Spitze abzuholen und im Fackelzug zurück zum Schulhof zu geleiten. Der große Zapfenstreich bot auch in diesem Jahr wieder einen außergewöhnlichen Anblick, der Besucher wie Schützen gleichermaßen bewegte.

Im Anschluss an dieses feierliche Zeremoniell wurde das Bürgerkönigsschießen fortgesetzt – für fünf Minuten, nach denen Cornelia Kosslitz zum zweiten Mal nach 2002 Zielsicherheit bewies und Bürgerkönigin unserer Bruderschaft wurde. Alle, die vom Schießen nicht genug bekommen konnten, waren danach zum Bürgerpokalschießen eingeladen. Hier setzte sich unter ebenfalls 16 Teilnehmern Steffi Zbik vor Fabian Busse und Andreas Trierscheidt durch.

Nach diesem fröhlichen Auftakt des Festes war die Hoffnung groß, auch den Sonntag gut und vor allem trocken über die Bühne zu kriegen. Der Vormittagshimmel ließ dieses Wunschdenken noch zu, doch nach dem Kirchgang und der anschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal zogen immer dichtere Wolken auf. Die Scheckübergabe unseres stellvertretenden Vorsitzenden und Nikolaus Hans-Dieter Müller, erstmals unterstützt von Gattin Christa, zugunsten der Elterninitiative Herzkranke Kinder Köln e.V. lief noch im Trockenen ab, und die beiden Vereinsvertreterinnen konnten sich über 1.080 Euro freuen. Dann allerdings zogen immer wieder Schauer über Buschbell, die auch den Festzug durch den Ort nicht verschonten. Während viele Besucher durchnässt schon bald danach wieder ins Warme aufbrachen, blieben einige befreundete Vereine, um die Ehrenpreise auszuschießen. Bei den Schülern hatten sich bereits in der Vorwoche Martin Baldßuhn vor Christina Harnischmacher, beide von der Mauritiusbruderschaft aus Bachem, durchgesetzt. Auch in der Jugend- und Schützenklasse machte jeweils ein Verein die Sache unter sich aus: bei den Jungschützen siegten Silvia Bonhow und Stefanie Karut, beide von der St. Cornelius-Schützenbruderschaft Geyen, während Günther Ergert nach langem Kampf schließlich den Sieg in der Schützenklasse vor seinem Vereinskameraden Josef Enkel vom Frechener Schützenverein davontrug. So klang der Sonntag auf einem recht leeren und sehr nassen Festplatz, dafür aber in umso größerer Gemütlichkeit aus, weil alle unter Zelten, Schirmen und Dächern zusammenrücken mussten.

Auch am Montagmorgen verhieß der Blick nach oben nicht zuviel Gutes; ein Glück, dass das von Christel Cremer und Karl-Heinz Müller gestiftete Frühstück genug Ablenkung bot. Erst allmählich versiegten die Himmelsschleusen, so dass Industrievogel und Ritter bereits im Trockenen ausgeschossen werden konnten. Hier siegten Daniela Pesch und Uwe Deparade als 1. und 2. Ritter.
Am Nachmittag dann begannen die spannenden Wettbewerbe. Zunächst machte der Prinzenvogel drei Jungschützen schwer zu schaffen: ihm gefiel wahrscheinlich die Aussicht ganz gut, denn als Thomas Trierscheidt ihm mit dem 92. Schuss den Garaus machte, konnte er sich erst sehr spät entschließen, den Fall nach unten auch wirklich anzutreten. Etwas länger brauchten die Damen des Vereins: 158 Schuss brauchten sie, bevor Renate Weil das hölzerne Federvieh schließlich von der Stange holte.
Und dann begann gegen 19 Uhr das Königsvogelschießen; mancher munkelte, man hätte den Beginn auch etwas verzögern können, um den schlechten Umsatz der Vortage wettzumachen. Da wusste allerdings noch niemand, dass der Königsvogel noch viel mehr an seinem Plätzchen hing als seine beiden Vorgänger.
Doch der Reihe nach: die Jagd auf die Königswürde hatte in bester Laune mit vielen Anwärtern begonnen, von denen am Ende ein halbes Dutzend übrig blieb. Gegen 22.30 Uhr, einer guten Zeit, gingen viele Aahs und Oohs über den Platz, als der Vogel sich zu lösen und zu drehen begann. Aber ach, er kam nicht vom Fleck. Ratlosigkeit machte sich breit, als er mal nach links, mal nach rechts und dann wieder gerade gerückt wurde. Sein Herz, das war deutlich zu sehen, war schon längst zerteilt, aber mit den Flügeln klammerte er sich beharrlich im Kugelfang fest.
Während immer mehr Besucher auf den zweiten Dienstagsvogel unserer Vereinsgeschichte tippten und Noch-König Hans-Hermann Bock sich freute, dass er seinen Titel zum zweiten Mal nach 1995 länger als üblich würde behalten können, warf der Schießmeister und Vogelbauer Heinrich Bock immer sorgenvollere Blicke zu seinem Geschöpf. Würde man das Schießen abbrechen müssen? Angebote, ihm Handtuch und Zahnbürste für die Nacht zu bringen, lehnte er erst energisch, dann immer zögerlicher ab. Und da wurden schließlich alle erlöst – der Vogel von seinem Flügel, Heinrich Bock von seinen Sorgen und die weniger werdenden Zuschauer von der ins Dramatische gestiegenen Spannung. Jetzt konnte der Vogel Stück für Stück gedreht werden, und Christian Ziesler holte den Brocken auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein kleines Hölzchen jedoch verfehlte er, und das schoss mit dem 539. Schuss um 0.21 Uhr unser Präsident Karl-Heinz Müller ab.
Rekord über Rekord bleiben also von diesem 322. Königsschießen unserer Bruderschaft – das längste Schießen, über 1 Kilo Blei in den Himmel verschossen, und zum ersten Mal ein Schützenkönig, der diese Würde zum vierten Mal erringen konnte – und das mit einem gebrochenen Zeh. Die Freude war groß, auch bei seiner Gattin Marita, die das kommende Jahr an seiner Seite regieren wird.
Bis weit in die frühen Morgenstunden wurden die neuen Majestäten gefeiert, darunter auch der neue Schülerprinz Kai Aldag, der eigens, um für die Proklamation fit zu bleiben, ein Nickerchen eingelegt hatte, und Bernd Sticker als neuer Scheibenkönig.
Ihnen allen zu Ehren fand am Samstag, 17. September, in der festlich geschmückten Aula der Edith-Stein-Schule ein großes Krönungsfest statt, das die neuen Würdenträger offiziell in ihre Ämter einführte. Besuch war von überall her gekommen, von den befreundeten Vereinen und Gesellschaften und sogar aus dem fernen Hongkong: Büttenrednerin Christa Müller hatte Frau Mitsu und ihre Freunde mitgebracht, die das neue Königspaar zu einer kurzen Rikschafahrt entführten. Mit diesem fröhlichen und ausgelassenen Fest endeten die Feierlichkeiten zu unserem diesjährigen Schützen- und Volksfest.