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Abenteuer in Willmering

Tag 1

Freitags morgens, halb fünf in Hücheln - ein Poltern, ein Knall und ein kleiner Aufschrei - und ich liege der Länge nach im Treppenhaus. Und wieder haben wir eine wichtige Lektion gelernt: wenn du früh morgens im Halbschlaf, und schon wieder zu spät dran, eine Kiste voller Vorräte die Treppe runterschleppst, dann mach dir wenigstens das Licht an! So viel versprechend ging der Tag los, aber schließlich ward doch alles gut. Knapp eine halbe Stunde später sitzen tatsächlich alle Teilnehmer unseres Abenteuerurlaubs im Auto und auf gehts nach Willmering.

Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das meiste, was ich von der Autofahrt berichte, die Geschehnisse in meinem Auto (dem "lieben Auto") wiedergibt. Die Geschehnisse aus dem Vivaro (dem "Männerauto") kann ich nur bruchstückhaft wiedergeben. Allerdings wäre vieles davon ohnehin zu furchtbar, als dass man es in einem Bericht, der im Internet öffentlich zu lesen ist, berichten könnte.

Kurze Zeit später am Dreieck Heumar: im Vivaro sowie im Corolla herrschen Totenstille. Immer wieder müssen wir uns im Rückspiegel versichern, dass die Autos tatsächlich voller Jugendlicher sind, die uns eigentlich hatten wach halten wollen. Aber immerhin, solange alle schlafen, muss wenigstens auch keiner aufs Klo, und so kommen wir auf dem Großteil der Strecke gut voran.

Gegen zwölf Uhr erreichen wir schließlich unser Reiseziel, das Waldhäusl in der schönen Herzogau. Schnell wird alles ausgeladen und die Matratzenlager bezogen, und kaum fünf Minuten später steht auch schon das Begrüßungskomitee bereit. Wir werden von zwei der Willmeringer Jugendleiter, Daniel (im Folgenden "der Kulzer" genannt) und Karin, empfangen, die auch gleich ein deftiges Mittagessen mitbringen.

Beim Essen stellt sich bald heraus, dass der Fahrer des Vivaro (aus Datenschutzgründen nennen wir hier keine Namen) von der langen Fahrt doch offenbar etwas verwirrt ist. Während er einen Anruf auf seinem Handy entgegen nimmt, runzelt er die Stirn mit den Worten "Ich geh mal nach draußen, ich kann Sie kaum verstehen.", woraufhin ihn einer unserer Jugendlichen aufklärt "Du hältst das Handy ja auch verkehrt herum!"

Nach dem Essen gehts dann mit etwa 20 Kindern und Jugendlichen (9 Buschbeller, die übrigen Willmeringer) und fünf Begleitern in den Naturhochseilpark Waldmünchen. Nach einer gründlichen Einweisung und paarweiser Ankleidung, begleitet von gelegentlichen Lachanfällen, gehts zwölf Meter hoch in die Baumwipfel. Dort angekommen müssen wir aber sehr schnell feststellen, dass die Überquerung der einzelnen Stationen um einiges schwieriger ist als es vom Boden her ausgesehen hat, für manche jedenfalls. Einige andere dagegen überwinden, völlig unbeeindruckt von der Höhe, bald laufend, bald springend und einmal auch an den Händen am Seil baumelnd jedes Hindernis mit solcher Leichtigkeit, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Auch ist es erstaunlich, wie viel Überwindung es einen kostet über eine Lücke von nur 1,10m zu springen, wenn unter einem alles voller Schwerkraft ist. Aber natürlich sind etwa drei Stunden später alle wieder gesund auf dem Erdboden angekommen und, soweit ich es beurteilen kann, hat es allen großen Spaß gemacht.

Müde und abgekämpft kehrt die ganze Abteilung zurück zur Hütte, vorbei an uns unbekannten Verkehrswarnschildern mit der Aufschrift "Achtung, Senioren kreuzen". Die Bayern sind halt sehr sozial. Unterstützt von zwei seiner Jüngsten macht sich der Kulzer sofort an den Grill und trotzt draußen der Kälte, während der Rest es sich schon in der warmen Stube gemütlich macht. Kiloweise Würstchen, Steak und Semmel werden an diesem Abend verspeist und mit Uno, Jenga und Tabu beginnt anschließend der gemütliche Teil.

Für die ganz Harten gibt es am Lagerfeuer aber noch s'mores, eine typisch amerikanische Widerlichkeit, die folgendermaßen entsteht. Man nehme zwei unschuldige Vollkornkekse, schmelze am Lagerfeuer einen Marshmallow und etwas braune Schokolade und packe diesen Matsch anschließend zwischen die beiden Kekse. Für die Geschmacksnerven des durchschnittlichen Verbrauchers absolut nicht geeignet, aber der Rest hatte seine Freude daran.

Kurz vor Schluss wird dann noch die Gitarre ausgepackt und ein paar nicht sehr erfolgreiche Versuche gestartet zusammen etwas zu singen. Wir versuchen es mit "Marmor, Stein und Eisen bricht", was ja eigentlich jeder kennt, und schreiben unserem Frontsänger, der letztes Jahr noch so erfolgreich als Xavier Naidoo aufgetreten ist, schließlich sogar seinen Text auf: "dam, dam - dam, dam". Nützt aber alles nichts, wir geben unsere Versuche für "Bayern sucht den Superstar" also auf und heben gegen zehn Uhr die Runde auf.

Die Willmeringer machen sich nach Hause auf und wir schleichen müden Schrittes ins Matratzenlager, um uns endlich der wohlverdienten Ruhe hinzugeben - hatten wir gedacht. Durch den Anblick von Schlafsäcken und Kissen inspiriert erwachen unsere Jugendlichen urplötzlich zu neuem Leben und beschließen noch eine Runde Würmchenkampf dranzuhängen. Aber was wäre schließlich eine Jugendfahrt ohne einen ordentlichen Würmchenkampf!

Tag 2

Der zweite Tag beginnt, für die Betreuer jedenfalls, nicht viel später als der erste. Von intensiven Schnarchattacken immer wieder aus dem Schlaf gerissen geben wir um halb sechs schließlich auf und machen uns fertig. Es hat aber auch seine Vorteile so früh aufzustehen, ausreichend heißes Wasser zum Duschen! Zwei Stunden später wird der Rest geweckt: manche sind immerhin nach fünf Minuten halbwegs ansprechbar, andere zucken nur, wieder andere grunzen zwar aber bewegen sich gar nicht. Einige Zeit später sind dann endlich alle wach (oder laufen zumindest halbwegs aufrecht) und viel, viel später sind wir fertig zum Aufbruch.

Zum Frühstück sind wir in den Adlerhorst eingeladen, wo uns ein regelrechtes Buffet erwartet, inklusive Presssack und Weißwurst, und dazu sehr starker Kaffee. Alles läuft gut, bis der Fahrer des Vivaro plötzlich mit einem gewaltigen Lach- und Kicheranfall, ausgelöst durch einen einfachen Zierkürbis, für einiges Aufsehen sorgt. Die unseren, die diese Anfälle größtenteils schon kennen, achten nicht viel darauf, unsere Freunde aus Willmering allerdings wirken doch etwas verstört.

Den Vormittag verbringen wir im Tierpark Straubing. Doch schon kurz nach unserer Ankunft dort machen unsere Jugendlichen eine grausige Entdeckung: die Hängebauchschweine sind nicht mehr da. (Zum Verständnis: Als wir vor zwei Jahren in Willmering waren, mussten wir einen Teil unserer Jugend, den älteren Teil wohlgemerkt, beinahe mit Gewalt aus dem Streichelgehege mit den putzigen kleinen Ziegen und den furchtbar süßen Hängebauchschweinchen entfernen.) Nach dieser Enttäuschung hilft nur eines. Um die Gemüter wieder aufzuheitern halten wir zum Mittagessen beim großen "M" an. Dort holen sich unsere Jugendlichen ganz viel Ronald McDonald-Fähnchen uns alles ist wieder gut.

Am Nachmittag gehts zurück nach Willmering. Mit unseren neuen Jugendshirts, einer großen Kölnfahne an der Heckscheibe und donnerndem "Viva Colonia" fahren wir vor dem Vereinsheim der Adlerschützen ein um unseren Verein beim Herbstpreisschießen würdig zu vertreten. Uns so geschah es. Acht Schützen von uns nahmen an dem Wettbewerb teil, der von den Willmeringern anlässlich ihres 95-jährigen Jubiläums ausgeschrieben wurde, und alle erzielten sehr gute Ergebnisse.

Nach zweieinhalb Stunden auf dem Schießstand, für den armen Trainer jedenfalls, beginnt wieder der gemütliche Teil. Heute gibt es Pizza, selbstredend im Kulzer-Format. Das lässt sich ohne Zweifel über dieses Wochenende sagen, wir haben noch nie soviel gegessen. Nach dem Essen gibts für die Großen noch ein schönes Maß Bier und einen echten Blutwurz.

Schließlich brechen wir auf zurück zur Hütte, aber nicht etwa um zu schlafen, sondern um eine Nachtwanderung zu machen. Natürlich stürmen einige bald voraus um ein Überfallkommando zu starten. Sie finden auch das perfekte Versteck, einen verlassenen Hochstand. Dumm nur, dass der Rest von uns gar nicht erst bis zu diesem Hochstand vordringt. Weil der Weg immer schlammiger wird und die Angst vor dem bösen dunklen Wald immer größer, beschließen wir mit den an uns festgekrallten Jugendlichen wieder umzudrehen. Während einige von uns ihre Schuhe säubern, beschließen der Fahrer des Vivaro und unser Frontsänger des gestrigen Abends den Spieß umzudrehen und verstecken sich in der dunklen Duschkabine. Einige Zeit später kehrt das Überfallkommando zurück und einer verkündet sogleich, er geht mal eben duschen. Darauf hat unser Frontsänger nur gewartet. Mit angehaltenem Atem verharrt er leise in der Dusche bis das ahnungslose Opfer die Tür aufmacht. Mit einem wilden Urschrei springt unser Frontsänger diesem mitten ins Gesicht, ein zweiter Schrei folgt und alle kommen angerannt um zu sehen was passiert ist. Während der Angreifer sich köstlich amüsiert, finden wir das arme Opfer schwer atmend und etwas blass auf dem Boden neben dem Waschbecken sitzend vor. Er geht am nächsten Tag als erster duschen, solange alle anderen noch in ihren Schlafsäcken liegen.

Tag 3

Die beiden Betreuer stehen wieder früh auf um sich erneut das wärmste Wasser zu sichern, und während alle anderen noch schlafen, fangen wir schon mal mit der Chaosbeseitigung an. Zur gewohnten Zeit gehen wir die Meute wecken und kehren in die Stube zurück. Eine halbe Stunde später jedoch ist es immer noch so verdächtig still, dass wir beschließen noch einmal nachzusehen. Dieses Mal sind wir dann etwas rabiater und schließlich stehen die ersten auch endlich auf. Einer der ersten bemerkt völlig überrascht: "Es ist ja hell."

Beim Frühstück, wieder im Hotel Willmering, geht es heute auch wesentlich ruhiger zu. Alle sind offenbar zu müde um viel sagen zu können. Gegen zwölf Uhr ist es dann Zeit aufzubrechen. Von uns werden noch ein paar typisch kölsche Geschenke übergeben, begleitet von vielen Worten des Dankes, und natürlich lässt der Schützenmeister der Willmeringer es sich auch nicht nehmen noch ein paar Worte zu sagen. Zum Abschied wird noch ein schönes Gruppenfoto gemacht und los gehts zurück nach Frechen.

Fazit: Es war mal wieder furchtbar anstrengend, aber eben auch furchtbar schön.

Ich möchte an dieser Stelle den Willmeringer Schützen nochmals dafür danken, dass sie uns so herzlich empfangen haben und während der drei Tage, die wir bei ihnen zu Besuch waren, so bemüht waren uns einen schönen Aufenthalt zu garantieren. Mein Dank gilt vor allem Daniel, der alles für uns so hervorragend organisiert hat sowie den beiden anderen Jugendleitern Karin und Thomas, und natürlich auch dem Schützenmeister Horst Tischner, der durch seine spezielle Hilfe ebenfalls dazu beigetragen hat, dass unsere Fahrt nach Bayern überhaupt stattfinden konnte.

Andrea Bock